SYRIEN - 9. Renntag Es war eine lange Nacht mit Shisha, hinter Coladosen im Kühlschrank versteckten Amstel Bier und selbstgekochtem. Als Abschluss noch eine Dusche, sehr abenteuerliche Leitungskonstruktion, eben etwas unter europäischen Standard, aber es erfüllt seinen Zweck: Wasser kommt oben raus. Neben den üblichen Stehklo's versteckt sich sogar ein wertvolles Schüsselklo!
Ich erwache als Erster um 06:00 Uhr Ortszeit und mache den ersten Rundgang im antiken Palmyra, der Ruinenstadt, nach 1 Stunde komme ich zurück zum Tempel, eigentlich abgesperrt mit Eintritt ab 09:00 Uhr, so lange warte ich nicht, in der 2200 Jahre alten Mauer findet sich bald ein kleines Loch, so besichtige ich mutterseelenallein den großen Tempel, die Hauptatraktion Palmyras. Zu Palmyra kann man so viel sagen, dass ich gar nicht beginnen will, hier ein Auszug: Säulen, alte Freskentrümmer, Säulen, verzierte erodierte Bögen, Säulen, Säulenstraßen, Säulenhaufen, Säulenstummel,! Wir frühstücken um 08:00 Uhr, es gibt wieder Oliven, dünnes Fladenbrot, sowas wie Sauerrahm, Tomaten und Streichkäse, dann fahren wir die paar Meter vor zur Ruinenstadt, vor ist nicht genug - rein in die Stadt! Parken am ehemaligen Stadtmittelpunkt und auf zur Fotosession, dann noch am Säulengang, hier gehen sonst nur Touristen zu Fuß, und die üblichen Verfolger: Tücherl- und Kettenverkäufer auf lebensbedrohlichen Motorrädern (wir nennen sie Suicide Machines). Den Weg zur alten Zitadelle, deren Profil jede Postkarte Palmyras prägt, finden wir auf Umwegen - durch die Wüste. Dann endlich ab nach Damaskus, ca. 250km. Es ist trocken heiß, sonnig bei ca. 30 °C. Unterwegs halten wir unter der Iraq-Tafel zum Reifentausch, doch nicht der Reifen hat einen Schaden, eher wir: die kleineren hinteren PistenBulli-Reifen kommen auf die KramBus Vorderachse und umgekehrt, so haben wir 2 rote Busse mit Keilfahrwerk - optik ist alles! Nächster Halt im "Baghdad Coffee" und essen schwer nach altem Hammel riechende, ja, irgendwas halt, ein paar steigen hier kulinarisch aus, "Koschpelemper" Lachi räumt als Einziger den Teller total leer. Hin und wieder stehen PickUp's mit MGs auf der Ladefläche am Straßenrand, Milität sieht man sowieso ungewöhnlich oft. Im PistenBulli passiert der Fahrerwechsel in voller Fahrt, was den einzigen Motorradfahrer weit und breit etwas in Schrecken versetzt ;-) 50 km später halten wir wieder zum Reifenwechsel, diesmal ist es aber der noble Sava-Reifen vom RaketenBus der den Schaden hat, das Ventil hat's bei unserer Wüstenetappe wohl erwischt, egal, am Busdach liegen noch 2 davon. Wir müssen in die Altstadt von Damaskus: "Souk el Hamidiyieh", die erste Prüfung heißt "Hamam Aufgabe", wir erleben dank dem Organisationskommiteeler Sakher etwas ganz Besonderes, das sonst für Touristen nicht immer möglich ist: einen Besuch in einem Bad, einem der ältesten und traditionsreichstend Hamam: "Hamam al Malek el Thaher", dort ist ein schönes Foto mit Handtüchern zu machen. Am Abend dann die 2. Aufgabe: "Schöne Bilder": in Damaskus die Fotos der Rallyekamera ausarbeiten zu lassen und ins Lösungsbuch zu kleben - rechtzeitig zur übermorgigen Sonderprüfung, der letzten: die "Wüsten-Sonderprüfung" in Jordanien. Aber jetzt stehen wir erst mal im Stau, vor uns steckt ein Laster mit Bagger auf der Ladefläche in der Unterführung fest. Damaskus empfängt uns erst mal mit einer Straße gesäumt von Werkstätten und Autoverwertern, wie man das hier macht? Ein Verwerter ist scheinbar für eine Type Fahrzeug zuständig, z.B. elendige Kleinbusse oder Mazda, auf seinem Platz liegen ganze Hälften, Vorderteile und Hinterteile von Autos übereinander, komplett mit Lichtern, Sitzen, etc., wie beim Fleischer. Nach längerer Fahrt kommen wir in die "Old City" wo das Hamam irgendwo versteckt sein muss. Im dichten chaotischen Verkehrstreiben voller Gehupe, das sogar so mancher Syrer meidet, finden wir 3 Parkplätze - nebeneinander! Das kostet für 3h ca. 200,- pro Auto. Bis dahin hat Maischt die syrischen Bremshügel kennengelernt und der PistenBulli hat einen unbekannten weißen Lackstreifen an der Seite. Ein freundlicher Syrer zeigt uns den Weg zwischen schreienden Händlern und Geschäften hinter eine Moschee in eine schmale unscheinbare Seitengasse, Handtücher hängen an gespannten Schnüren und eine Fahne: Hamam. Wir betreten einen kleinen Saal, voll mit Holz und Gold und Teppichen, in der Mitte prangt ein Brunnen, wunderschön. Männer sitzen in Handtücher gewickelt auf Polstern und trinken Tee. Der Mann an der kleinen "Rezeption" weiß sofort wer wir sind und wir lassen alle unsere Wertsachen in eine Holzlade verschwinden. Dann ziehen wir unsere Schuhe aus bevor wir auf die Stufe mit den Polstern dürfen, wo wieder große Laden für unsere Kleider geöffnet werden. Badehose umsonst mitgenommen, sofort werden wir ins erste Handtuch gewickelt und gehen durch eine Tür ins eigentliche Hamam. Wir bekommen eine Schüssel mit einem Naturreiberl, einer Seife und Schampoo und gehen durch die nächste Tür ins Dampfbad. Mittig findet sich eine Sitzbank, an den Wänden sitzen Wasserbecken, ein kleiner Raum mit extrem heißem Dampf gefüllt raubt uns die letzten Schmutzpartikel. Am verstörten Gesicht des flüchtenden Angestellten merken wir: das Handtuch bleibt immer an, selbst später unter der Dusche. Es ist der Masseur, der uns alle an die Kandare nimmt und uns wohltuend wie ein Stück Fleisch durchknetet. Der 2. Legt uns auf den Boden (!) und beginnt uns mit einem Reiberlhandschuh abzurubbeln, dann unter die Dusche und raus in den Vorraum wo wir die Schüsseln bekamen. Dort wird in schnellem Handgriff das nasse Handtuch gegen 2 trockene getauscht. Raus in den kleinen Saal, wo die 2, kürzlich noch trockenen Handtücher, wieder gegen, tja, es waren glaub ich 6, wiederrum frische Tücher getauscht werden, und dann sitzen wir da. Mit Tee und Shisha in der Hand und beobachten die neugierigen Blicke der einheimischen zugemummten Frauen die durch die offene Tür ins Hamam spähen um gleich wieder verjagt zu werden, sie dürfen hier nur Montags rein. Wir fühlen uns sauwohl, und Stefan lässt sich noch rasieren (ja, das gehört hier in einem eigenen Eckerl dazu). Im Anschluss helfen uns die Speed Sisters ein Fotogeschäft zu finden, wo wir unsere Rallyekamera ausarbeiten lassen, nebenan ist ein Internet-Shop, endlich gibt es updates für euch. Die Parkkarte ist längst abgelaufen, von der Parkkralle kaufen wir uns billig frei und werfen nochmal nach, bevor wir in den nahen Basar gehen, wo wir uns mit Gulabie (oder so) eindecken, die langen Kittel die hier weit verbreitet sind. Die Preise sind geringst, ein Gulabie kostet ohne Verhandeln 400,- (€ 6,-) Es treibt uns in ein Restaurant "Old Damascus", offensichtlich der Nobelschuppen hier. Die Atmosphäre ist die eines Palastes. Männer haben offensichtlich etwas zu feiern, es ist der 3. Jahrestag der Hochzeit des einen mit dem roten Hut, Frau ist aber keine zu sehen J. Es wird sowas wie eine Bolonaise getanzt, wir tanzen natürlich mit! Ein Schwertkämpfer zeigt Kunststücke mit 2 Schwertern und Schwert und Schild, ein kleiner Mohr tanzt einen orientalischen Kreistanz zu Livemusik. Riesige Tabletts mit Hammel werden gebracht die händisch zerlegt, oder besser zerrissen werden. Wieder gibt es Shisha, frischen Zitronensaft, Tee und ein feines Essen: Humus (Salat mit Gurken, Tomaten und Grünzeug), Hammelröllchen, Fladenbrot, Aufstriche, Hühnerfleischspieße und Pommes. Die ganze Partie für 6 Leute kostet 3700,- Dieser Tag war wieder ein Zenit der Erlebniswelt Orient, jeder Tag toppt den vorhergehenden, die Eindrücke sind kaum zu verarbeiten, alles ist unwirklich und bezaubernd. Syrien, als am weitesten vom Westen entfernt aller bereisten Länder, ist urtümlich, orientalisch und billig. Um Mitternacht beschließen wir in der Old City zu nächtigen, morgen ist ein Ruhetag, den wir am Besten in Damaskus verbringen, zur Jordanischen Grenze ist es bloß eine Stunde. Hier gehts zur Bilderserie 2009_05_10 Palmyra - Damaskus |