8. Mai - Etappe 7
Geschrieben von: Dan   
Montag, 11. Mai 2009 um 06:59

Alle werden wir unterschiedlich geweckt, Stefan als Erster vom örtlichen Muezzin zu Sonnenaufgang, der Rest spästestens als der holländische S(chwere)-LKW neben uns vorbeibrummt. Heutige Adjustierung besteht zum Teil aus den von Huber gesponsorten Rippschörts "working hero", auch in ärmelloser Ausführung - supersexy! Ein kleines Frühstück am Bus, den örtlichen Bettelhund füttern und ab runter ins wunderschöne Göreme zu unserer heutigen Aufgabe "Kappadokien-Aufgaben in Göreme":

  • Findet das Haus "Fairy Chimney Inn"
  • Der Inhaber heißt Dr. Andus Emge, wo ist sein Geburtsort
  • Stempel vom Hotel
  • Die heutige Süßspeisenspezialität heißt?
  • Holt von Herrn Emge die nächste Aufgabe
  • Macht dort ein Teamfoto

Auf geht's, viele Teams sind schon da, und wir finden das kleine, lauschige Hotel mit super Aussicht hinter wilden, engen Gassen am Hügel. Der deutschsprachige Herr Emge empfängt uns mit einem Frühstücksbuffet um 10 Lira (€5,-) bestehend aus Dörrobst, Honig, Ziegenkäse, etc., natürlich lösen wir alle Aufgaben während die Katze Stefans Frühstücksteller leerklaut, und bekommen die nächste Aufgabe "Teamfoto bei der versteckten Kirche". Bevor wir aufbrechen schauen wir auf Herrn Emdes Mac in seiner Chillstube im Bergfels noch unseren Blog durch und hinterlassen einen Gästebuchgruß: Dank an den Prediger für die viele Arbeit an unserem Blog!

Die Kirche ist eigentlich ein verlassenes Felsloch mit Wandmalereine inmitten der bizarren Felslandschaft Göremes, eine kurze Wanderung die viele Fotos bringt, eine atemberaubende Szenerie. Zurück am Parkplatz kehren wir in ein kleines Lokal ein, sitzen auf Teppichen, trinken Chai-Tee und essen ein Portion Kebap aus dem Tontöpfchen und Beilagen - sehr lecker. Neben uns dudelt ein Musikant und die Teams kommen und gehen vor uns verschwitzt zur Kirche. Hier beschließen wir unsere Weiterfahrt zur syrischen Grenze, das heutige Ziel ist Aleppo, unser Weg: Nevsehir - Derinkuyu - Nigde - Pozanti - Tarsus - Adana - Iskenderun - Antakya - Grenzübergang Kayladagi

Technikcheck: die Busse laufen alle super, der RaketenBus stirbt im Leerlauf hin und wieder ab, manchmal läuft er auch. Der KramBus ist noch immer dicht, und dem PistenBulli fehlt es allein an Motorleistung, alles super also. Die Funkgeräte von www.cb-funk.at funktionieren perfekt, allein das PistenBulli-Gerät hat einen Wackler und ab und zu schneiden wir das Antennenkabel nach, wie schon erwähnt: die Dinger sind Gold wert. Besonders in den Nachtfahrten unterhalten wir (zumindest die wachen Fahrer) uns köstlichst über Funk und sprechen unsere Manöver ab, wir fühlen uns wie waschechte Trucker: in einer Hand das Lenkrad, in der anderen Hand das Sprechgerät, fehlt nur noch der Bierbauch im Rippschört - daran arbeiten wir bereits.

Unterwegs stellen wir wieder die konträren Bedingungen hier fest, das Verkehrsbild ist geprägt von Autos in Lizenzbau, dazwischen wenige westliche Fahrzeuge wie Opel, Volvo oder selten Mercedes, auf der anderen Seite moderne LKW neben hoffnungslos und 5m hoch beladenen Altlastern. Selbst die hässlichsten und abartigsten Autos werden noch getuned. Vollbesetzte Reisebusse überhohlen uns mit wahnwitziger Geschwindigkeit während wir Pferdefuhrwerke und Traktoren überholen die neben der Straße fahren. Technisch ist man uns in Stadtgebieten voraus: Autogas statt Benzin ist an der Tagesordnung. Sprit ist sauteuer in der Türkei. Seltsame Kleinbusse (Autobüsli) bleiben stehen wo Menschen neben der Straße stehen, Haltestellen gibt es nur in großen Städten. Neben der Straße liegen manchmal tote Tiere, vor Allem die zahlreichen Straßenköter vergessen oft aufs links & rechts schauen. Auf Straßenschilder schaut hier keiner, doppelte Sperrlinien dienen allein der Dekoration, bei Ampeln meist nicht anders, je nach Farbe. Eine Rettung überholt uns - wir heizen hinterher! Und die Rettung muss, wir unser "Rotes Kreuz" sicherlich "Rote Sichel" heißen, die haben wirklich rote Sicheln wo bei uns das Kreuz ist.

Überall winken uns Menschen vom Straßenrand oder aus Autos zu, LKW lassen ihre Fanfaren schallen wenn sie uns entgegenkommen, jeder ist begeistert. Wir kommen durch ein Bergdorf mit erdiger Straße, in dem sonst jeder die Türen zusperrt und durchfährt - wir stoppen und gehen einkaufen. In den Schaufenstern hängen Lammhälften, im Markt gibt es Ziegenkäse aus der Ziegenfelltasche und frische Oliven. Quasi umsonst (€ 0,50 oder so) bekommen wir mehrere Laib Brot beim nahen Bäcker, die Busse werden wieder von Menschen umrundet und es kommen ein paar Unterschriften hinzu. Ein besonders interessierter bekommt von uns die türkische Beschreibung der Rallye - er kann nicht lesen.

Rasant geht es den Pass bergab, an Adana vorbei Richtung nächtliches Iskenderun - das eine überraschend beeindruckende Bergstraße entlang der Küste mit wahnsinns Panorama aufs Lichtermeer von Iskenderun. Die Straße dürfe nagelneu sein, so schaffen wir neue Geschwindigkeitsrekorde mit den Bussen (110 km/h), genügend um so manchen heißen Reifen in den Kurven und Kehren zu lassen.

Langsam merken wir dass Aleppo heute nichts wird, und nach kleiner Diskussion beschließen wir, trotz Empfehlung des Organisationskommites, den südlichen Grenzübergang Kayladagi / Yayladagi beizubehalten und noch im türkischen Teil zu nächtigen. Kurz vor der Grenze, wo wir um 23:00 Uhr  in ein Waldstück leuchten: 1001 Augen leuchten zurück, da bleiben wir nicht, zurück in das Grenzdorf fragen wir bei einem bewachten Schranken wo wir die Busse sicher abstellen können, gleich ums Eck bei einer verlassenen Ruine mit eingeschlagenen Scheiben parken wir dann. Aber nix mit verlassen, da wohnt jemand drin, wir kochen uns ein Abendessen vor den Bussen und bekommen Chai-Tee vom Hausbewohner der uns bis wir schlafen gehen nicht von der Seite weicht, passiert wohl hier sonst nicht viel. 3 bewaffnete Männer gehen auf der Straße vorbei, wir fragen "Militari?", der Hausbewohner deutet: Jäger, wir fragen was sie jagen "Dog? wau wau?", er versteht nicht, "Turist?" er zeigt Daumen hoch und grinst breit - na toll. Die Shisha smeckt heute trotzdem gut, wir philosophieren ob man die Shisha heiraten kann?

Wir gehen mit Kleidung schlafen, Messer und Pfefferspray in Reichweite und schlafen langsam im Geheul der Hunde im Wald ein, früh morgens gegen 06:00 Uhr stehen wir auf und es ist alles in Ordnung. 5km zur Grenze, der türkische Beamte dürfte erst aufstehen, nach 1/4h sind wir im Niemandsland vor Syrien.