| 18. Mai - Tag 17 |
| Geschrieben von: Dan |
| Dienstag, 19. Mai 2009 um 10:21 |
JORDANIEN - 17. Tag - Totes Meer / Mt. Nebo
Der Start gestaltet sich bereits lustig, Team 53 erkennt, dass auch mit bereits fehlender Stoßstange super Blechschubser möglich sind, nur beim abdrängen sind die schweren Busse vorne dabei, Bus-Reifenspuren auf dem Team 53 Passat beweisen es. Es ist wieder kochend heiß, 35-38 °C, das freut unsere Busse besonders in den Bergetappen. Bevor wir auf den Berg kommen werden wir noch bei einem der berühmten Mosaikmanufakturen freigelassen, um dort unsere Piaster loszuwerden. Leider kommt man da mit Piaster nicht weit, alles ist sehr teuer, teurer als im 5 Sterne Royale! Dennoch finden sich einige Prunkstücke der Mosaiklegekunst. Wunderschöne Mosaiken mit christlichen Szenen oder anderen (Haie waren lustig!). Auch einen Esstisch an dem 4 Jahre gearbeitet wurde, voll verziert mit Perlmutt und glänzend lackiert, Stefan und ich nutzen ihn sofort zweckmäßig zum Armdrücken, das amüsiert die Verkäuferin die uns den Preis verrät: 38.000 Dinar, dann bekommen wir aber ein Backgammon-Tischen gratis dazu, wir überschlafen das nochmal. Wir schaffen es unsere Dinar für uns zu behalten und steigen wieder in die kochende Buskiste ein, um die restlichen paar Kilometer zum Mount Nebo zu fahren, wo wir alte Ausgrabungen und das Moses Memorial begutachten. Und dann, ja dann endlich: ab zum toten Meer! Das Tote Meer ist nicht sehr weit entfernt, 30-40km und wir dürfen dort die Anlage des "Dead Sea Spa Hotel" benutzen, wo wir auch essen werden. Rein, runter mit der Wäsche und ab ins Meer. Am Strand ein schwarzes Wesen in gelber Badehose: Mich hat sich bereits von oben bis unten mit dem heilsamen schwarzen Schlamm einschmieren lassen, der hält dem extrem salzigen Wasser nicht lange stand: ca. 30% Salzgehalt. Das Wasser reinigt die Haut, deshalb empfiehlt sich der Besuch besonders bei Hautkrankheiten, mal sehen ob es unseren Füßen hilft. Im Gegensatz zur heimischen Badewanne geht man hier quasi nicht unter. Man kann nicht richtig schwimmen, weil die Gliedmaßen nicht wirklich ins Wasser eintauchen. Wenn man sich auf den Rücken legt, steht die Wampe aus dem Wasser, vielleicht schaffen wir heute den Sonnenbrand? Man kann auch super im Wasser sitzen und Zeitung lesen (Beweisfotos vorhanden). Allerdings weiß man genau wo man kleine Kratzer oder sonst was hat, brennt wie nur was. Kommt das trübe Zeug in die Augen oder auf die Lippen, raus, duschen und erst mal einen Kanister Wasser leeren. Das ist auch der Grund warum wir dann recht rasch in die Poolanlage raufwechseln und die Wasserrutsche wie kleine Kinder in Augenschein nehmen und auch sonst haben wir wieder viel Spaß. Gegen 14:00 Uhr schnappen wir die Essensgutscheine und laben uns am Buffet des Hotels, wieder ringt uns der Dessert-Teil des Buffets das Letzte ab. Gut gefüllt und halbwegs erfrischt setzen wir uns um 15:00 Uhr wieder in die Bus-Sauna. Es ist ein trauriger Anlass: die letzte Fahrt in den Bussen. Ziel ist die Käserei, die mit den bisherigen Einnahmen der vergangenen Rallyes gebaut wurde. Dort werden wir die Fahrzeuge leerräumen, unser Bäumchen pflanzen, das tapfer im Bus überlebt hat, und die Papiere übergeben. Die Fahrt dorthin kosten wir, mehr oder weniger freiwillig voll aus. Eine Bergetappe kostet viel Blech, aber kein Busblech. Es sind die Volvos und auch Andere Rallye-Fahrzeuge die die Etappe in der Hitze nicht überstehen - und stehen. Einen davon nimmt der KramBus an die Leine, während wir den PistenBulli mit dem RaketenBus die Hänge raufschieben, dann schafft er bis 100 km/h bergauf (ja, das ist genau so gemeint). Besonders interessant gestalten sich die Spurwechsel und LKW-Überholer. Die PistenBulli-Heckscheibe ist noch immer so dreckig, dass man seitlich am Bus vorbeischauen muss, nicht dass man ihn zu weit schiebt. Durch die Volvo Schleppaktion unserer guten Seelen verlieren wir mit einigen anderen Teams den Anschluss, 2 1/2h später sind wir endlich auf dem richtigen Weg, falls man die Straße ab dem Flughafen so nennen mag. Wir packen sie jedenfalls wieder mit Höchstgeschwindigkeit. Diese Höchstgeschwindigkeit wird beibehalten, in Kurven, in Schlaglochetappen, bei Entleerung von großen Feuerlöschern außerhalb und im Bus, bei Straßenunebenheiten. Eine dieser "Unebenheiten" bringt den PistenBulli auch zum fliegen, 3 Sekunden Schwerelosigkeit und ein aufheulender Motor beweisen es. Mich begrenzt seinen Flug nach oben mit dem Kopf am Busdach, dafür bleibt der Fuß am Gaspedal. Die Befürchtung "jetzt ist sicher was hin" nach der Landung bewahrheitet sich nicht - die Busse sind und bleiben unzerstörbar!
Professionell verpflanzen wir unser Zitrusbäumchen in der Reihe und räumen den Bus. Alles was wir mitnehmen kommt in die Koffer, die in die bereitstehenden Busse. Es muss schnell gehen, wir sind spät gekommen, doch bleibt ein letztes: gebührender Abschied mit Tränen in den Augen von den lieb gewonnen, zuverlässigen (zumindest seit Bad Tölz) Weggefährten und Schlafgemächern der meisten Reisetage. Schutz vor Wind und Wetter (Ausnahme PistenBulli ohne Türdichtungen). Trotz 6000km Regen, Wüste, Schlaglöchern, Großstädten, Taxis, bewaffneter Militärs - die Busse sind gelaufen und gelaufen und gelaufen wir nur was, das hätten wir uns ehrlich nicht ganz so gedacht. Wo Volvo, Mercedes und BMW versagten: Bulli hielt durch! Danke!
Morgen am frühen Nachmittag ist unser Heimflug nach Wien. Die deutschen Teilnehmen fliegen schon am Morgen, so werden wir den Pool aufsuchen und noch ein bisschen philosophieren und wieder etwas runterkommen vom gewaltigen Trip den wir hinter uns haben. Ein Resumeé über die Rallye zu schreiben ist kaum möglich, man muss es selbst erleben. Die Menschen die einem zuwinken, die Aufmerksamkeit die man bekommt (leider auch von Behörden), die Probleme die man zu lösen hat, Zwistigkeiten gehören dazu wie absolut planloses Herumirren in fremden Großstädten. Die Zeit vergeht wie im Flug, man lernt verschiedenste Menschen kennen, von denen hoffentlich einige als Freunde erhalten bleiben, und man lernt sich selbst kennen. Man erfährt neue Grenzen, und erweitert andere, sieht was möglich ist, lernt Kulturen kennen die einem bisher bekannt aber dennoch verborgen waren. Es war anstrengend, erheiternd, schmutzig, kalt, heiß, verwirrend, unglaublich, beeindruckend, prominent, sozial, lehrreich und unvergesslich für Mensch und Maschine! Besonderen Dank an unsere Helfer und Sponsoren die diese Reise für uns ermöglicht haben, an das Organisationskomitee der Rallye, an die unglaublich sympathischen Leute vom Team Lauschangriff, an die zuverlässigen Bierversorger vom lässigen Team 53, an all die Leute mit denen wir unterwegs Spaß hatten, und ganz besonderer Dank an die Styrian Speed Sisters: Doris, Sura, Maria und Bettina, die mehr als alle anderen, auch schon vor dem Start, mit uns waren, und Wert bewiesen haben. Und Danke für's mitlesen vom Blog, auch wenn uns nicht immer zeitnahe Berichterstattung möglich war, für das mitfiebern und für die guten Wünsche die mit uns waren, es hat Spaß gemacht.
Aussicht vom Mount Nebu / Die Sisters beim Bäumchen pflanzen
Marc (Arabär) verabschiedet sich von seinem AraBug / Der Busse letzter Parkplatz
Unser Zitronenbäumchen frisch gepflanzt (Danke an Elisa für die Spende!) / Tanzeinlage beim Abschlussabend
Impressionen vom Abschlussabend
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Auf, auf, zu wie immer viel zu früher orientalischer Zeit. Wir satteln die Busse mit all unserem Zeug, denn heute verlassen wir den Hort des Überflusses, genannt "Le Royale" nach dem Frühstück und hängen uns wieder an den Reisebus der gen Mount Nebo fährt. Dort ist auch Moses über den Jordan, sein Grab ist noch immer nicht gefunden - so viel sei verraten: wir haben es auch nicht gefunden.
Am Ende der Welt kommen wir nach materialverzehrender Fahrt zur Käserei. Ein kleines Gebäude, noch leer, aber die Einrichtung ist in diesen Stunden bereits unterwegs, mit einem eingezäunten, staubigen Areal auf dem alle Rallyefahrzeuge abgestellt werden, die bis jetzt gelaufen sind, nicht so wenige, ein Schlachtfeld. Autos ohne Stoßstange reihen sich an Autos mit Stoßstange - am Dach festgebunden. Auch die Schwabenpower ziehen mit dem letzten einsatzbereiten 7er BMW den ehemals vorletzten einsatzbereiten an der Leine auf den Platz (man erinnere sich: es wahren mal 4 BMW). Generell sieht es bei manchen sehr schlimm aus, nicht immer auf den regulären Straßenverkehr zurückzuführen, der an sich schon viel für sich hat. Wir sind mir unseren Schiebeaktionen noch harmlos unterwegs, dienen sie doch dem Grundsatz: helft euch gegenseitig.
Als eine der letzten steigen wir in den Reisebus und fahren dem Sonnenuntergang entgegen, klingt kitschig - ist aber so. Das "Golden Tulip Hotel" am Queen Alia International Airport wird unsere heutige Unterkunft sein. Am Eingang passieren wieder einen Sicherheitscheck, diesmal mit Körperkontrolle, und beziehen die Zimmer. Mich's Aussage "das letzte Hotel war aber schöner" führt uns vor Augen, wie verwöhnt wir inzwischen sind. Nun sitzen wir in der "Sunset Bar" bei einem wieder sehr gutem Buffet, sogar mit Grill und noch etwas ganz besonderem, was wir auf unserer Reise sehr lieb gewonnen haben: eine Shisha! Stefan ist in voller Pracht zurück und riskiert furchtlos einen Lammspieß vom Grill mit dem üblichen Kilo an Fleisch und Beilagen. Die Atmosphäre ist super, es läuft gemütliche chill-out Musik, die Palmen sind abwechselnd bunt beleuchtet und wir erfreuen uns an jordanischem Wein und Heineken. In der Mitte des Sitzgartens führt ein Kanal Wasser vom Brunnen, lustig dass dauernd Leute reintreten, einer (Walter vom OK) schafft es sogar in den Brunnen reinzufallen!



