| 15. Mai - Tag 14 |
| Geschrieben von: Dan |
| Samstag, 16. Mai 2009 um 10:00 |
JORDANIEN - 14. Tag - Petra
Ein paar Meter weiter nehmen wir noch ein junges russisches Backpacker-Paar mit, die bei meiner Fahrweise etwas weiß werden, aber dennoch begeistert von der Rallye sind. Unterwegs werfen wir kleinen Kindern am Straßenrand Plüchtiere zu, und ernten erschrockene und begeisterte Gesichter. Nächster Stop: Petra Visitor Center. Die "Indiana Jones"- Snack Bar erwartet uns tatsächlich. Wir gehen den Weg zum As-Siq, dem langen Felsschlurf, runter. Überall wimmelt es von Pferden, Esel, Pferdekutschen, Eselkutschen und ein paar Kamele und/oder Dromedare. Am Wegrand immer wieder kleine Verkaufsstände von Beduinen, es gibt allerhand selbstgemachten Schmuck und was das lockere Touristengeldbörserl so begehrt. Man hört immer wieder lauthals Esel (=Mountain-Ferrari) schreien, die Verkäufer rufen "yes, have a look, 1 Dinar, look for free", man weicht den touristenbepackten Kutschen aus und schwimmt mit dem Touristenstrom den Graben runter, erste, schöne Fassaden finden sich im weichen Sandgestein, wir sind begeistert. Gestern im Prospekt hat sich alles wunderbar angehört - live ist es noch unglaublicher! Wir kommen ins As-Siq, bizarre Felswände zu beiden Seiten wachsen weit in die Höhe, an den Wänden finden sich öfters Reste kunstvoller Nischen und ein alter Kanal, nach gut einem Kilometer lugt plötzlich das riesige Treasury "Al-Kazneh" hinter der Felsnische hervor, und wird mit jedem Schritt besser sichtbar. Der geräumige Platz vor dem Treasury ist gefüllt mit Touristen, Pferden und uns eben. Innen drinnen gibt es ein paar wenige riesige Räume, die Fassade ist das wahre Prachtstück. Damals, vor 2200 Jahren, als das alles noch mit Leben gefüllt war, muss der Boden mehrere Meter tiefer gewesen sein, wie uns der Schacht vor dem Treasury zeigt, dort finden sich Türen unter unseren Füßen. Weiter rechterhand vorbei durch den breiter werdenden Siq finden sich immer mehr Fassaden und Hohlräume wo die Fassaden längst den Gezeiten zum Opfer gefallen sind. Der Siq endet in einer sich öffnenden Kluft, wo die Hänge beiderseits hoch mit Fassadenresten bedeckt sind, wir sehen unter anderem ein Theater, Paläste, Tempel, ein Urnengrab, ein Felsgrabgebäude und viele undefinierbare aber schöne "Gebäude", alles aus dem Stein der Wände geschlagen. Ein anstrengender Treppenlauf zu den seitlichen, hoch gelegenen "Place of Sacrifice" und den "Two Obelisks" bringt einen super Ausblick auf das unter uns gelegene Tal. Wieder runter, weiter durch die "Colonnaded Street", eine Säulenstraße, an der auch der "Quasr al-Bint" Tempel steht. Dahinter besteigen wir den nächsten Berg für eine weitere Top-Aussicht auf die Tempelgrundrisse neben der Straße. Wieder runter und wieder weiter das Tal entlang und ca. 800 anstrengende Stufen rauf zum größten Felsgebäude im alten Petra, dem "Ad-Deir" Monastery, das entweder als Grabmal oder als Tempel, wahrscheinlich beides, genutzt wurde. Dahinter findet man "The End of the World", ein Abgrund in eine unwirkliche zerrissene Landschaft begrenzt Petra hier. Der kleinen Sandviper die uns über den Weg schlängelt, schenken wir besondere Aufmerksamkeit, kann sie uns doch töten. Tut sie aber nicht, verkriecht sich lieber unter einem Felsen. Petra muss in seiner Blütezeit einen gewaltigen Eindruck auf die einkehrenden Karawanen gemacht haben, man findet Treppen die erst in 8 Metern Höhe beginnen, der Rest ist einfach weg, zu Staub zerfallen, geht man alte Treppen hoch, sind diese so durchgetreten, dass man bei jeder Stufe eigentlich schon auf dem Niveau der darunterliegenden geht, überall sieht man Löcher und Fassadenreste im Berg, in allen umliegenden Hängen des sich öffnenden Tals nach dem Siq, viele Menschen müssen hier bei den Nabatäern gelebt haben, vieles davon ist noch immer im Sand verborgen, ein Anblick der in der Geschichte verloren ging, und nur noch erahnt werden kann. So machen wir uns nach vielen Stunden und noch mehr Kilometern wieder auf, zurück zum Visitor Center, von dem wir inzwischen gute 2 Stunden entfernt sind. Petra ist groß! Deshalb schnappen wir uns vor der Säulenstraße, von wo es noch mehr als 3-4 km zum Visitor Center sind, sechs Kamele, eines für jeden von uns. Nach beinharten Verhandlungen kommen wir von 25 Dinar pro Kamel auf 80 Dinar für alle. Also rauf mit dem Fuß, halb drauf entfernt sich plötzlich der Boden 2-3m, das Kamel steht auf, irgendwie bleibe ich oben. Sobald alle in den Satteln der Riesenviechern verstaut sind, heißt es von hinten "Hazzaaaaa" und die Viecher legen los, erst mal ganz gemütlich. Wir haben den maximalen Spaß als es richtig los geht, mit jedem hoppelnden Schritt verabschiedet sich die Fruchtbarkeit, die Kamele sehen unbeeindruckt ernst zu uns hinauf und wir schreien und freuen uns, was den Guide nur noch ein paar "Hazzzzzaaaaaaaaaaa" herauslockt. In der Hitze des Gefechts fliegt Voitl's Hut davon, die Sonnenbrille von Maischt ist Geschichte und die Männlichkeit aller Beteiligten wurde schwerst malträtiert. Ganz nebenbei hat mein Kamel einen Souvenierstand überrant, da hängen sicher jetzt noch Ketterl und Armreifen in der Gegend rum. Vor dem Treasury ist Schluss, weiter dürfen die Kamele nicht, so bleiben die letzten 1,5km zu Fuß, im REGEN. Ganz recht, in Petra fängt es an zu regnen, sobald wir von den Kamelen runter sind, zum Glück, das gefällt den sandverliebten Tieren nämlich gar nicht. Es ist ca. 06:00 Uhr, Petra ist bereits zugesperrt, der Regen hat bald wieder aufgehört. Die Pferde- und Eselverleiher nutzen den touristenentleerten Siq für Wettrennen mit ihren Kutschen und Tieren, nichts für schwache Nerven, vor allem wenn man einen Esel von hinten in vollem "Galopp" beim laufen zusehen muss - sowas von weit weg von elegant! Zu später Stunde finden wir unser 5-Sterne Hotel "Sofitel Petra Taybet Zaman", kein klassisches Hotel, eher eine Hotelstadt. Aufgeteilt in viele Gebäude im alten Stil gebaut finden sich Rezeption, Zimmer, Restaurant, das hoteleingene (20 Dinar teure) Hamman, der lt. Speed Sisters wunderschöne große Pool und eine Shoppingmeile. Unser Zimmer hat eine eigene Lounge und ist geräumig und luxuriös. Sofort fallen wir ins Restaurant ein, wo es schon das Abendbuffet gibt: eine kulinarische Pracht mit allem was der Orient zu bieten hat. Salate jeder Natur (sogar Hirn), Suppe, verschiedenste Hauptgerichte und ein unglaublich umfangreiches Dessertbuffet. Sich hier komplett durchzufressen hätte Tod durch Magenversagen zu Folge. Das Dessertbuffet geht sich in 2 Durchgängen aber aus! Die Hotels der Anschlussreise versuchen wirklich all die Entbehrungen der Rallyetage wett zu machen. Stefan und Loidi sind heute leider in einem anderen, auch schönen Hotel 12km von uns entfernt, in dem sie die Golfcaddywagerl-Rallye bestreiten. Nach dem Essen sind alle todmüde, mal sehen ob heute eine der leckeren Weinflaschen in unserer Zimmerlounge dran glauben muss. Mich, wach auf! ! Ab morgen nächtigen wir 3 Tage in Amman, im selben Hotel. Es ist freier Tag in Amman, also Amman besichtigen. Der grobe Ausblick ins Programm: übermorgen, Sonntag, geht's dann ins Jordantal und auf den Mount Nebo (da kommt der gute Wein her) es endet mit arabischem Abend und der ehrfürchtig erwarteten Siegerehrung!, am Montag ist Totes-Meer Tag und Abgabe der Autos bei der Käserei, so ich hoffe das ist jetzt die richtige Reihenfolge! |
Das Frühstück ist gut, bevor wir aufbrechen machen wir mit Hoecker und seinen Freunden noch einen kurzen Trip zu einem alten Schloss in Aqaba (cachen). Dann geht es endlich ab Richtung Aqaba. Wir fahren an der Autobahnausfahrt vorbei, deshalb nehmen wir den Mittelgraben als Umkehrplatz, was Voitl's Nummertafel am RaketenBus nicht behagt, Retourgang rein, den Rest der Reise wird sie hinter der Windschutzscheibe verbringen. Beim nächstbesten Beduinenzelt bleiben wir stehen um unsere umfangreichen Nahrungsmittelvorräte an den Beduinen zu bringen, die Kinder freuen sich über Spielsachen und zerren die Kiste davon.