14. Mai - Tag 13
Geschrieben von: Dan   
Samstag, 16. Mai 2009 um 00:00

JORDANIEN - 13. Tag - Aquaba

Um 08:00 Uhr sitzen wir beim Frühstück - fast alle. Es gibt, wie immer, Fladenbrot (i kann's nimmer anschaun) dazu Butter, Marmelade und Ei, eben wie immer. Auf das allseits und zu jeder Tageszeit präsente Humus (so eine Art Aufstrich) und den obligatorischen Gemüsehaufen verzichtet jeder der Anwesenden. Stefan hat's noch nicht aus dem Zelt geschafft - unser "Koschpelemper" hat ein Loch, das wir versuchen mit stopfenden Mitteln eben zu stopfen. Er wird heute nicht so viel essen wie in den vergangenen Tagen J, außerdem berichtet er vom lauten Schnarchen Mich's vom Busdach bei seinen nächtlichen Klowanderungen, was uns alle fasziniert, steht der Bus doch gute 200m entfernt vom Zelt.

Es geht heute nach Aquaba: ein Urlaubsort am Roten Meer, am Golf von Aquaba. Dort treffen die Grenzen von Israel, Saudi Arabien, Ägypten und Jordanien zusammen, viele Araber kommen hierher zum urlauben. Diese Nacht haben wir auch ein Hotel.

Wir stellen fest, dass auch heute überall Polizei präsent ist, kaum steigen wir aus dem Auto in Aqaba aus, flitzt schon eine Fernsehkamera um uns herum, auch die kennen wir von gestern. Das Rettungsauto "Rote Sichel/Halbmond/wieauchimmer" ist auch wieder da - anscheinend sorgt König Abdallah, dass keinem Rallyeteam etwas passiert - Danke!

Aus der Wüste, voller Sand, verschwitzt wochenlang im vollgepackten Bus eingesperrt, kurz: dreckig wie nur was, kommen wir in unser Hotel, das "Aqaba Gulf Hotel", ein 4-Sterne-Haus mit allen Raffinessen auf westlichem Standard: Bett, Klo, Dusche PRO Zimmer! So ganz kapieren wir das noch nicht, später am Swimmingpool wird das aber schon J Laut Aushang ist das Doppelzimmer 130 Dinar teuer. Stefan wird, mit der Reiseapotheke zugedröhnt, im Bett abgelegt. So schön das klimatisierte Hotel auch ist - raus.

Nicht ganz zufällig liegt der McDonald's am Weg, hier verstecken wir uns vor Humus und Fladenbrot, ich bestelle einen McArabia - der ist im Fladenbrot, hätt' ich nur genau geschaut. So gestärkt ist die Flaniermeile den Strand entlang kein Problem. Ein Ramschladen rückt an den nächsten, die dazugehörigen Verkäufer schlafen offensichtlich in den dahinter aufgebauten Zelten. Einfache Holzhütten säumen den maroden, zum Teil mit Glasscherben bedeckten Sandstrand, wir sind im elenden Abschnitt unterwegs, der ist dafür umso interessanter. Um 25 Dinar handeln wir uns eine 1/2h auf dem Glass Boat heraus. Durch die kleine Luke im Boden sehen wir allerhand Zeug im Meer. Hin und wieder tauchen Korallen zwischen den Bierdosen auf, wirklich spektakulär finden wir einen echten Panzer, der 8m unter uns zum Zwecke Korallenansammlung versenkt wurde. Daneben ein alter türkischer Tank und viele Seesterne. Für Taucher hat Aqaba noch sehr viel mehr zu bieten, wofür das Rote Meer ja auch bekannt ist. Dann kommt die Hotel- und Grenzrunde, unter uns wird es zu tief zum schauen, der Golf von Aqaba ist seiner Mitte über 1.700m tief. Wir sehen in alle angrenzenden Länder, Israel ist den sprichwörtlichen Steinwurf entfernt, die Strandlänge von Jordanien ist ca. 50-60km, die besten Hotels haben davon die besten Strände, wunderbare Palmenanlagen zwischen denen Urlauber unter Sonnenbaldachinen bedient werden. Feiner, roter Sandstrand und schönes Wasser. Im Golf selbst liegen einige Schiffe, viele Frachter und ein Passagierluxusliner unter norwegischer Flagge, den ägyptischen Berg Sinai im Hintergrund (den kennt ihr sicher alle aus der Bibel). Wir passieren die videoüberwachten Grenzposten, neben denen man nicht halten darf, und hören allerhand Seemannsgarn von Haien in Australien. Mit der Austria/Australia Verwechslung waren wir schon oft konfrontiert. Gleich in der Nähe unseres Hotels lassen wir uns am Strand absetzen und stoppen ein Stündchen in einem Internetcafe, um die heiß ersehnten updates endlich in die Heimat zu bringen, mit MMS ist das immer ein bisschen Roulette.

Am Swimmingpool lassen wir unseren letzten Sand zurück und machen uns als die Sonne hinter dem Hotel verschwindet frisch geduscht auf die Suche nach einem "Bottleshop" in dem es Alkohol zu besseren Preisen gibt. Super Läden, klein und voller Gewürze, Früchte und Tee werden durchstöbert, und fragen nach einem dieser Shops. Wir finden ihn in einer Hinterhofgasse, der Anblick geballter Promille ist uns nicht mehr bekannt, umso größer unsere Überraschung, im Shop gibt es ausschließlich Alkohol, und eine rote Kiste unter der ein Falke (!) sein wohl kurzes Dasein fristet. Mit Bier und dem leckeren Mount Nebo Wein eingedeckt zurück ins Hotel, wo wir uns für das Abendessen um 06:30 Uhr fertig machen (bei uns ist es wegen Zeitverschiebung 1h später als zu Hause). Auch Stefan hat wieder Hunger, ein gutes Zeichen. Mit Maischt macht er sich auf dem Weg zu McDonald's, dem arabischen Zeug traut er momentan nicht ganz. Schade für ihn, das Buffet hat für Mich, Loidi, Voitl und mich allerhand Leckereien zu bieten. Neben dem üblichen Verdächtigen (Humus, Gemüsehaufen, Fladenbrot) finden sich endlich normales Weißbrot, Knoblauchbrot, Fisch, Huhn, Reis, Variationen an Salaten, Suppen und ein kleines Dessertbuffet. Da fressen wir uns jetzt durch! Besonders das Dessert ist interessant: nicht sehr süß, aber ausgesprochen würzig, schmeckt gut!

Mit unserer prominenten Rallyekonkurrenz Hoecker verabreden wir uns noch auf einen morgentlichen Spaziergang (geocachen ist angesagt), dann sind wir raus, und oben in unserem Hotelzimmer. Hier kann man nicht, wie in 08/15-Urlaubsorten gewohnt, vor die Türe gehen um was zu trinken, außer man steht auf Tee. Dementsprechen gestaltet sich Aqaba's Downtown vorrangig aus Kaffeehäusern und Restaurants.

Morgen erwartet uns Petra - das 2. Weltwunder! Hier hat Indiana Jones schon Abenteuer erlebt. Zu diesem Zwecke studiere ich bereits den Prospekt. Die Nabatäer haben hier allerhand geleistet bis ihr Reich 106 a.d. von den Römern vereinnahmt wurde und damit war das Ende ihrer immer offenen Kultur eingeläutet. Viele Stilrichtungen sind in den Bauten verborgen. Der "Obelisk Tomb" ägyptische Obelisken mit Nischen römischer Abstammung, im Zentrum die von Postkarten bekannte Schatzkammer "Al-Khazneh", bis dahin führt uns aber die Natur selbst durch den "As-Siq", der Eingang zu Petra, ein 1.200m langer, tiefer und enger Schlurf, mit bis zu 80m hohen Wänden, aber morgen gibt's etwas viel Besseres: unsere eigenen Eindrücke davon!

Hier gehts zum Bilderalbum 2009_05_14 WadiRum - Aqaba