13. Mai - Tag 12
Geschrieben von: Dan   
Donnerstag, 14. Mai 2009 um 17:09

JORDANIEN - 12. Tag (kein Renntag mehr) - Wadi Rum

Um 07:00 Uhr klettern wir aus den Bussen, das alternative Massen-Beduinenzelt bot zu wenig Luxus. Wir beginnen den Tag mit Kaffee von Speed-Sister Doris (Danke!) und einem Rundgang durchs Schlachtfeld.

So mancher Kreuzer musste dran glauben, es war vor Allem ein Krieg der Sterne: Die Mercedes verloren hauptsächlich Ölwannen, einer der wenigen Überlebenden Kreuzer ist ein Leichen-Benz, der hat ordentlich Bodenfreiheit. Schon bekannt ist der fesche Audi V8 mit kaputter Zylinderkopfdichtung (fuhr die ganze Rallye am Limit, nahm jede Bodenwelle, mehrfach geschweißter 4-Rohr-Auspuff und geplatzte Kühlschläuche und hatte durch die Wüste letztendlich unglaubliche 180 ° Öltemperatur). Besondere Augenschmäuse bieten der Überschlag-BMW von gestern, ein kleiner Citroen mit eingedrücktem Dach und Windschutzscheibe (LKW-Auffahrer), viele eingedellte Kotflügel, fehlende Scheinwerfer durch Feindkontakt, vorwiegend in Damaskus.

Hie und da fehlt eine Stoßstange oder eine Scheibe, traurigerweise wurden bei manchen Autos Scheiben mit Steinschleudern durchschossen, was dazu führt, dass kein Team mehr Spielzeug an die Kinder verteilt. Wir erfahren auch, dass spät nächtens der BMW des OK-Teams leergeraubt wurde, der an der Straße stand.

Auch die 190E Sterne der Speed Sisters sind arg malträtiert, sie geben eines der Autos "Miss Piggy" an das 33er Team als Ersatz für den Überschlag-BMW und den Anderen "Pink Panther" borgen sie uns, damit wir noch ein wenig Spaß am nahegelegenen Platz haben, Kupplung ade. Sogar einen Polizisten haben wir damit ein paar Kreiserl drehen lassen. Beim KramBus wird prophilaktisch die Kupplung entlüftet und der RaketenBus braucht etwas Spannung am Keilriemen, der Motorraum bietet einen lustigen Eindruck, genau wie Außen: alles ist voller Wüstenstaub. Ansonsten laufen sie nach wie vor 1a. Diesmal nicht mal einen Platten, so sind wir einer der wenigen Teams die in ihren eigenen Autos weiterreisen und nicht den bereitstehenden Reisebus nehmen. Theoretisch kann man die Autos egal wo in Jordanien stehen lassen, sie werden dann abgeholt. Die Schlüssel und Papiere der letzten aktiven Rennwagen werden erst bei Ende der Reise übergeben, dennoch: das Auto gehört nun dem König Abdallah, net schlecht so eine Diplomatenkarosse, was für ein Aufstieg für unsere Busse: vom Lastenvieh über den Rallywagen zur Staatskarosse! hier in Jordanien werden sie sicherlich in 20 Jahren noch fahren.

Bernhard Hoecker schenkt uns eine original "StaubMaul-Geocoin" als Andenken für uns Geocacher (Voitl und ich). Cache update: in Syrien den "Zenobias Reward" und "Palmyra Temple", auch Bernhard war dort schon fleißig. 2 TBs aus Bulgarien haben wir auch im Handschuhfach. Wir freuen uns besonders auf die Wadi Rum-Caches, auf die Felsenstadt Petra und das Tote Meer, dem tiefsten Punkt der Erde (ca. -40 Meter unter dem Meeresspiegel), natürlich nicht ausschließlich wegen der Caches.

Dann geht es los, wir starten gegen 08:00 Uhr Richtung Wadi Rum, um dort an einer Jeep-Safari mitten ins Schutzgebiet teilzunehmen. Der PistenBulli folgt uns unauffällig und wird uns auf unseren Reisen als Schatten begleiten, immerhin hat Mich die Reise-Shisha im Auto!

Unterwegs halten wir zwischen Werkstätten zum tanken, einem Rallye-Passat wird neben uns die Ölwanne geschweißt, die Werkstattgrube ist eher ein Loch in der Welt. Kaum Werkzeug dafür ein Bett in der winzigen Werkstatt, wahnsinns-Verhältnisse. Für 25 Liter 95er Sprit zahlen wir 12 Dinar (also ca. 13 Euro). Dann geht es bei 30 °C und blauem Himmel durch die Wüstenstraße (alsphaltierte Landstraße Nr.5) durch die Gegend: Al-Azraq - Al-Jafr - Ma'an - Ar-Rashdiyya - Ram (in Wadi Rum, im Süden von Jordanien). Oft sind die Gräben schwarz von zurückgelassenen kaputten, aufgerissenen und ausgerollten Reifenresten. Die Funkgeräte beweisen wieder ihren Wert und wir lassen allerhand Blödsinn in den Äther, aber das ist der Äther von uns schon gewöhnt. Die "Vorsicht Fuhrwerk" Verkehrstafeln werden durch "Achtung Kamel" abgelöst, freundlich grüßende Polizei mit MG-Aufbauten auf dem Pickup überholen uns. An großen Kamelherden vorbei die augenermüdende Ewigkeit entlang: 300km bis ins Wadi Rum.

"Wadi" bedeutet soviel wie "Valley", ein Naturjuwel mit Sanddünen und abstrakten Felsformationen, plötzliche 1.750m hoch. Lawrence von Arabien hat schon anmutige Worte für diesen Ort gesucht, also erspar ich mir das erstmal. Dort gibt es Reste von Niederlassungen 4.500 v.Chr., und einen Tempel 1. Jhdt. v.Chr., so steht es in den Prospekten von der Grenze, 4.000 Jahre alte Felszeichnungen - also viel altes Zeug, so mögen wir das! www.visitjordan.com hautnah, dabei sind wir noch gar nicht dort.

Von Amman bis Petra ist Jordanien eigentlich ein Hochplateau, dann kommt man recht plötzlich zum Jordantal, super Aussicht, und es geht bergab ins Tal hinaus in dem auch das Wadi Rum, im Südosten des Landes liegt. Man passiert die ersten Felsformationen. Gegen Mittag kommen wir ins Jabal Ram Camp - unser 1000 Sterne Quartier für heute. Es erinnert stark an die römischen Lager bei Asterix, überall Zelte für 2 oder 4 Mann. Dahinter eine große runde Feuerstelle mit Sitzmöglichkeit, und da herum wieder zur Feuerstelle hin offene Beduinenzelte mit Tischen und Teppichen, es gefällt uns, vor Allem da es auch ein Häuschen mit recht brauchbaren WCs und Duschen gibt. Wir verbringen ein paar Stunden essend und trinkend im Camp und unterhalten uns mit anderen Teams, dann geht's los zum Visitors Center im nahen Ram, wo die abenteuerlichen alten Toyota PickUp's aus den 50ern bereitstehen. Sie riechen frisch lackiert und sind klebrig, aber haben auf jeden Fall Charakter. Auf auf den Ladeflächen montierten Bänken mit Polstern geht's ins Herz von Wadi Rum: roter Sand wird von bizarren Felsformationen abgelöst, wir erkunden einen Felsspalt voller Felsritzereien, und bewundern 2 Stunden lange die schöne Landschaft bevor es in rasantem Tempo zurück, an Kamelen vorbei, zum Visitors Center geht, mein arabisches Kopftuch hat hier Gelegenheit Standfestigkeit zu beweisen - was es im Gegensatz zu den Kopfbedeckungen der uns begleitenden Speed Sisters auch tut - Sonnenschutz unter widrigsten Umständen!

Vorm Center treffen wir wieder mit dem PistenBulli-Trupp zusammen, Mich und Maischt haben den Tag mit herumfahren und auf Quads im Wadi Rum verbracht, und deren Verleiher mit Kunststückchen und Sprüngen auf Trab gehalten.

Den Abend verbringen wir wieder zusammen schmausend, trinkend und Shisha rauchend im Camp, leider ist in Jordanien Alkohol, im Gegensatz zu Sprit, teuer. Das Amstel-Bierdoserl kostet 4 Dinar, die kleine (sehr gute) Flasche Wein vom jordanischen Mount Nebo kostet 13 Dinar. Wir erinnern uns: 1 Euro = 0,92 Dinar, also fast 1:1. Am Abend treiben wir vom Team 53 noch eine Palette billiges Amstel auf, Danke! Es wird wieder spät. Stefan und Loidi nehmen ein 2-Mann Zelt, Mich schläft auf dem Busdach und nimmt das 1000 Sterne Camp wörtlich, Maischt, Voitl und ich wählen unseren Favourite: den Bus.

Hier gehts zum Bilderalbum 2009_05_13 Camp Azraq - Wadi Rum